Birdieblog
Immer auf dem neuesten Stand

Was verdienen Ihre Kollegen? Sechs Voraussetzungen, um Auskunft im Logistik-Job zu erhalten

Mehr Transparenz zum Gehalt verspricht das Entgelttransparenzgesetzes. (Foto-Quelle: Fotolia)

Vergangene Woche ist das Thema schon im BirdieBlog aufgetaucht, nun ein paar tiefer gehende Informationen zum Entgelttransparenzgesetz, die auch im Logistik-Job nützlich sind.

Das Gesetz für Lohntransparenz gilt seit Mitte 2017, seit dem 6. Januar können auf dieser Basis Auskünfte eingeholt werden. Vorrangiges Ziel des Entgelttransparenzgesetzes ist es, für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu sorgen. Dass über Gehälter kaum gesprochen werde, sei einer der Gründe, warum Frauen noch immer weniger verdienten als Männer, so die Initiatoren.

Nun ist es allerdings auch in Logistik-Jobs nicht so, dass künftig jeder Auskunft über jeden verlangen könnte. Tobias Hanraths von der Nachrichtenagentur „dpa“ hat einige Tücken gefunden, Anfang Januar hat die „Frankfurter Rundschau“ sie veröffentlicht (http://www.fr.de/leben/karriere/nachrichten/gesetz-fuer-lohntransparenz-so-funktioniert-der-auskunftsanspruch-bei-gehaeltern-a-1419597?xing_share=news).

Grundsätzlich muss nun der Arbeitgeber Frauen mitteilen, was Männer verdienen, die eine ähnliche Tätigkeit ausüben wie sie selbst – und umgekehrt.

Sechs Voraussetzungen:

  • Wenn das Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. Das ist in der Logistik-Branche nicht immer der Fall.
  • Wenn die ähnliche Tätigkeit vergleichbar ist. Was allerdings vergleichbar ist, wird nicht definiert.
  • Wenn es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts gibt, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller.
  • Wenn der Arbeitnehmer im Antrag angibt, auf welche Vergleichsgruppe er sich bezieht.
  • Wenn der Antrag schriftlich eingereicht wird (die Form ist nicht festgelegt, also ist auch eine E-Mail möglich).
  • Wenn der Antrag auf Auskunft beim Betriebsrat gestellt wird. Gibt es keinen Betriebsrat, so müssen sich die Mitarbeiter direkt an den Arbeitgeber wenden. Anonym ist ihre Anfrage dann natürlich nicht mehr.

Was macht der Arbeitgeber?

Niemand erfährt, was ein bestimmter Kollege in seinem Logistik-Job verdient. Der Arbeitgeber bildet aus den Bruttogehältern aller Kollegen (nicht nur von sechs, wenn mehr beschäftigt sind) des anderen Geschlechts mit ähnlicher Tätigkeit den Median. Zudem muss er erklären, nach welchen Kriterien und nach welchem Verfahren die Gehälter festgelegt sind.

Für ihre Antwort haben Arbeitgeber drei Monate Zeit, wenn sie nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind bzw. einen solchen anwenden. Wird ein Tarifvertrag angewandt, bestehen keine Fristen. Zur Erklärung der Kriterien reicht es dann, auf die tarifliche Regelung zu verweisen.

Antwortet ein Unternehmen ohne Tarifbindung nicht in der angegebenen Frist, muss es eventuell vor Gericht beweisen, dass keine Benachteiligung vorliegt. Der Arbeitgeber kann den Antrag auch ablehnen, weil er die Tätigkeiten von Antragsteller und Vergleichsgruppe nicht für gleichwertig hält. Was dann jeweils vor Gericht geschieht, wenn der Antragsteller klagt, ist noch nicht abzusehen.

Das Entgelttransparenzgesetz beinhaltet übrigens nicht das Recht auf gleiche Bezahlung. Hier wiederum muss die Anwendung des Gleichbehandlungsgesetzes beantragt werden. Ein gutes Argument für die nächste Gehaltsverhandlung im Logistik-Job ist die erlangte Auskunft jedoch allemal.

Hier das entsprechende Bundesgesetzblatt zum Entgelttransparenzgesetz: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s2152.pdf%27%5D__1515603343158