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Welche Erkrankungen treten häufig in der Logistikbranche auf?

Auch Erkältungen treten häufig bei Logistikern auf. (Foto-Quelle: Fotolia)

In kaum einer Branche sind Schnelligkeit, Qualität und Kostendruck so maßgebend wie in der Logistikbranche: In Zeiten des Online-Handels sorgen sowohl die vom Kunden geforderten Liefergeschwindigkeiten, die Erwartungshaltung an Qualität und Service, als auch der stetige Erfolgsdruck gegenüber Wettbewerbern für ein hohes Arbeitspensum.

All diese Faktoren führen zu einer extrem starken Arbeitsbelastung, die sich vor allem auf Kommissionierer und andere Lagerarbeiter auswirkt und für verhältnismäßig hohe Krankenstände sorgt. Dabei ist es gerade in der Logistik wichtig, die Krankenquote niedrig zu halten, um den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden.

Ein Teufelskreis, der Unternehmen auf der ganzen Welt Kopfschmerzen bereitet. Technische Lösungen zur Reduzierung der körperlichen Belastung der Logistiker, Führungskräfteschulungen und moderne Logistiksysteme sollen Erkrankungen entgegenwirken.

Doch was sind die typischen Erkrankungen, die in der Logistikbranche für die hohe Krankenquote sorgen? Und was können Unternehmen tun, um ihnen vorzubeugen?

1. Rückenleiden

Die meisten krankheitsbedingte Ausfälle verzeichnete im Jahr 2017 der Sektor "Verkehr und Lager". Hier waren die Mitarbeiter mit 23 Tagen im Durchschnitt gut viereinhalb Wochen krank.

Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, wie beispielsweise Rückenschmerzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache für Krankschreibungen: Rückenleiden zählen in Deutschland zu den Krankheiten, die die meisten Fehltage verursachen.

So ist auch die Logistikbranche von einer hohen Krankheitsquote aufgrund von Erkrankungen des Rückens betroffen. Das Problem daran: Arbeitnehmer mit Rückenbeschwerden sind oft über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben, sind auf starke Schmerzmittel gegen Rückenschmerzen angewiesen, und fallen entsprechend lange aus.

Rückenleiden können verschiedene Ursachen haben und müssen entsprechend behandelt werden. Wir erklären Ihnen, welche Ursachen einen schmerzenden Rücken bei Lagerarbeitern auslösen können.

      a. Verschleißerscheinungen

Die hohe körperliche Belastung durch ständiges schweres Heben und die damit verbundene Überbeanspruchung der Wirbelsäule ist eine der Ursachen für Verschleißerscheinungen an Gelenken, Muskeln und Wirbeln.

Normalerweise arbeiten Wirbelknochen, Bandscheiben und die sie umgebende Muskulatur reibungslos zusammen. Abnutzungserscheinungen an den Bandscheiben und Wirbeln sorgen für das vermehrte Auftreten von Rückenschmerzen. Sie verursachen ebenfalls eine Rückbildung der Muskulatur, die dann ihre Stabilisations- und Stützfunktion nicht mehr erfüllen kann.

Zu den häufigsten Abnutzungs- und Degenerationserscheinungen zählen

  • Gelenkverschleiß (Arthrose),
  • Spinalstenosen (eine Einengung des Rückenmarkkanals, die meist im Bereich der Lendenwirbelsäule auftritt) sowie
  • Morbus Bechterew (eine Versteifung der Brust- und Lendenwirbelsäule).
   
     b. Bandscheibenbedingte Erkrankungen

Bücken, Heben, Strecken: Monotone, sich immer wiederholende Bewegungen unter schwerer Last sorgen für einen Verschleiß der Bandscheiben. So ist es kaum verwunderlich, dass bandscheibenbedingte Erkrankungen bei Lagerarbeitern zu den häufigsten Berufskrankheiten zählen.

Das Heben und Tragen schwerer Lasten über viele Jahre hinweg, sowie eine extreme Beugehaltung des Rumpfes verursachen bei vielen Mitarbeitern in der Logistikbranche Bandscheibenerkrankungen der Lendenwirbelsäule und der Halswirbelsäule.

      c. Rückenleiden durch psychische Belastungen

Wer an seinem Arbeitsplatz optimale Bedingungen vorfindet, zu körperlich schwerer Arbeit einen Ausgleich findet und dennoch von Rückenschmerzen betroffen ist, sollte in Erwägung ziehen, ob neben physischen eventuell psychische oder soziale Ursachen dafür in Frage kommen könnten.

Denn häufig sind es psychosoziale Faktoren wie Zeitdruck, Ärger mit Kollegen oder Angst um den Job, die zu einem schmerzenden Rücken führen. Wer Stress hat, ganz gleich ob er im Büro oder im Lager arbeitet, und mit seiner Arbeit unzufrieden ist, neigt nach neuesten Erkenntnissen deutlich schneller zu Rückenbeschwerden als jemand, der seinen Beruf gerne ausübt. Entsprechend hoch ist also der Stellenwert, den das Arbeitsklima und die Zufriedenheit mit der ausgeübten Tätigkeit auf die Gesundheit ausüben.

Dass die Logistikbranche von Schnelllebigkeit geprägt ist, ist nicht neu. Doch wirken sich der Zeitdruck und der damit verbundene Stress auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus: Neben Erschöpfungserscheinungen sind auch psychische Erkrankungen häufige Ursachen dieser Arbeitsbedingungen.

2. Erkältungen

Lagerhallen sind häufig nicht so gut isoliert, wie man das aus dem klassischen Büro kennt. Zugluft und der häufige Wechsel von innen nach außen, können das Auftreten von Erkältungskrankheiten begünstigen. Natürlich bedeutet das nicht immer einen Arbeitsausfall, aber einige Verläufe dieser Erkältungserscheinungen können mit Fieber und Husten einhergehen. Der Arbeitnehmer, selbst wenn er noch arbeitsfähig sein sollte, ist zumindest deutlich geschwächt.

3. Erkrankungen der Atemwege

Berufsbedingte Atemwegserkrankungen gehören neben Muskel-Skelett-Erkrankungen zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Logistikbranche. Zu ihnen zählen:

  • Lungen- und Kehlkopfkrebs durch Asbest
  • Asbestose
  • allergische Atemwegserkrankungen
  • Atemwegserkrankungen durch chemisch-irritative oder toxische Stoffe
  • Silikose

Hervorgerufen durch trockene Luft, starke Luftzüge (beispielsweise durch Klimaanlagen) und Staub verursachen sie Beschwerden und sorgen vor allem bei älteren Mitarbeitern für ein erhöhtes Risiko der Arbeitsunfähigkeit.

Auch verschiedenste Substanzen wie Gase, Gefahrstoffe, Schmutz und Rauch am Arbeitsplatz können die Atemwege verengen und Atembeschwerden hervorrufen. Nicht jeder reagiert gleich empfindlich auf Reizstoffe in der Luft. Bei manchen Menschen lösen bereits kleine Mengen Allergien aus, bei anderen führt erst eine höhere Belastung der Luft zu Atemwegsbeschwerden.

4. Verletzungen der Hände und Füße

Das Arbeiten in Lager setzt die Arbeiter zahlreichen Gefahren aus: Vor allem die Hände und Füße sind aufgrund des manuellen bzw. maschinellen Lastentransportes besonders gefährdet.

Bei rund 20% aller gemeldeten Arbeitsunfälle handelt es sich um Fußverletzungen. Entsprechend sollten Lagerarbeiter mit geeigneter Schutzausrüstung ausgestattet sein, um den Folgen möglicher schwerer Unfälle, Verletzungen und Erkrankungen vorzubeugen beziehungsweise zu verringern.

 

Prävention durch neue Logistiksysteme

Damit lange andauernde oder häufig wiederkehrende Rücken- und Gelenkschmerzen gar nicht erst auftreten, ist eine konsequente Vorbeugung wichtig. Dabei ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ebenso entscheidend wie die eigene Aktivität der Betroffenen.

Um Beschwerden und Verletzungen zu reduzieren und die Arbeitnehmer somit effektiver einsetzen zu können, gibt es ein paar Möglichkeiten. Beispielsweise rüsten viele Lager vom „Person zur Ware“-Prinzip – also der manuellen Kommissionierungauf das „Ware zur Person“-Prinzip um. Der Einsatz mobiler Regale und Carrys mit einer hohen Skalierbarkeit machen es möglich, schnell und gelenkschonend zu arbeiten.

Die neuen Logistiksysteme berücksichtigen die aktuellsten Erkenntnisse aus der Medizin und der alternativen Gesundheitsförderung. So verringern sie einerseits die körperliche Belastung der Arbeiter, während gleichzeitig schnell und flexibel auf Veränderungen der Marktbedingungen und Kundenanforderungen eingegangen werden. Die neuen Kommissioniersysteme vereinen auf diese Weise Effizienzsteigerung und Mitarbeiterentlastung.

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung im Lager

Der technische Fortschritt und der Einsatz neuer Technologien in der Logistikbranche, tragen dazu bei, dass sich die Arbeitsbedingungen vor allem bei körperlicher Arbeit zugunsten des Mitarbeiters verändert haben.

Bei einer modernen Lagergestaltung wird darauf geachtet, dass die Arbeitsplatzbedingungen der Ergonomie des Menschen entsprechen: Sowohl Größe, Gewicht, Geschlecht als auch das Alter des Mitarbeiters und seine individuelle Belastbarkeit werden berücksichtigt und einkalkuliert.

Diese Vorkehrungen sorgen dafür, dass die Arbeitsaufgaben des Mitarbeiters selbst im hohen Alter ausführbar und erträglich bleiben. So haben körperliche Belastungen bei Lagerarbeiter in den vergangenen Jahren sukzessive abgenommen – das ist vor allem dem Einsatz von Maschinen zu verdanken, die viele körperlich anstrengende Arbeiten übernommen haben.