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Wunsch und Wirklichkeit: Logistik- Gehaltsreport

Auf Augenhöhe: Im täglichen Austausch sehr wohl, beim Gehalt indes klafft noch eine große Lücke zwischen Mann und Frau – auch in der Logistik. (Foto: iStock)

Was Sie schon immer wissen wollten, aber sich vielleicht nie zu fragen getraut haben, klärt die Job-Matching-Plattform Birdiematch nun auf: Wer verdient was in der Logistik? Der erstmalig aufgelegte Gehaltsreport geht dabei noch einen Schritt weiter: Er analysiert auch, mit welchen Herzensangelegenheiten („Heart Skills“) Unternehmen bei Kandidaten punkten könnten? Herausgekommen ist Deutschlands erste Job-Matching-Studie, die aufzeigt, dass das Thema Geld nicht immer das entscheidende Argument in der Branche sein muss.

Beim durchschnittlichen Bruttojahresgehalt (ohne Boni und Tantiemen) liegen Niederlassungsleiter an der Spitze der Auswertung von 1.963 Kandidaten-Profilen und 628 Vakanzen. Interessant ist dabei die Diskrepanz zwischen Angebot und Ist-Gehalt. Über 11.000 EUR liegen beim „NL“ dazwischen. Da ist gehöriger Raum für Nachverhandlungen. Das gilt auch für den Leiter Operations, der mehr als erstaunliche 17.000 EUR zu wenig Gehalt angeboten bekommt. Wenig überraschend liegen die Mitarbeiter im Lager und Fahrer am Ende der Skala.

Krasse Gendersituation

Ein wichtiges Ergebnis, dass die Grafiken nicht abbilden, aber durch den Gehaltsreport bestätigt wird, betrifft die Genderfrage. Frauen verdienen in der Logistik deutlich schlechter als ihre männlichen Kollegen. Auf Abteilungs- und Bereichsleiterebene liegt ihr Bruttojahresgehalt im Mittelwert bei 55.833 EUR im Jahr, wohingegen Männer mit 78.531 EUR fast 23.000 EUR mehr nach Hause bringen. Eine klaffende „Gehaltslücke“, die in etwa dem Jahresgehalt eines Fahrers entspricht.

Nach Meinung von Bernd Vögele, Personalberater in Hamburg und Mitgeschäftsführer von Birdiematch, steht dahinter häufig auch „falsche Bescheidenheit“. „Bemerkenswert ist, dass die Gehaltswünsche der Kandidatinnen für ihren ersten Job nach der Ausbildung oder nach dem Studium deutlich niedriger liegen als die der männlichen Bewerber“, sagt Vögele. Er führt dies „zum Teil auf eine kritische Selbsteinschätzung der weiblichen Berufseinsteiger“ zurück. Auch das Gefälle zwischen West und Ost ist in der Logistik nach dem Ergebnis der Studie ausgeprägt. Ein Vertriebsmitarbeiter im Westen streicht 70.972 EUR ein, sein Berufskollege im Osten muss sich in der gleichen Position mit 47.500 EUR begnügen.

Wer als Vertriebler nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht hat, verdient nicht unbedingt mehr als derjenige, der ein Studium oder eine IHK-Fortbildung absolviert hat. Nicht bei allen Jobs macht sich zudem ein Studium bezahlt. Kandidaten mit „Management-Genen“ kämen in der Logistik auch heute noch zumindest monetär ähnlich weit, beobachtet Vögele. Dennoch werde der „akademische Vorsprung“ in Führungspositionen immer wichtiger, um mit Auftraggebern auf Augenhöhe sprechen zu können.

Neben den Gehaltswünschen sind es vor allem die Herzenswünsche der Kandidaten, mit denen Unternehmen bei der Besetzung ihrer Vakanzen punkten können. „Heart Skills stehen hoch im Kurs“, sagt Vögele. „Aus diesen Benefits lassen sich Möglichkeiten ableiten, mit denen Unternehmen – abgesehen von Jobbeschreibung, Gehalt und Arbeitsort – neue Mitarbeiter gewinnen können“, ist er überzeugt. Birdiematch hat mehr als 500 Herzenskriterien auf ihrer Plattform online zwischen Kandidaten und Arbeitgeberunternehmen „gematcht“. Ähnlich dem Prinzip von Partnerbörsen ermitteln Algorithmen in Bruchteilen von Sekunden, in welchen Punkten Kandidaten und Unternehmen optimal zusammenpassen.

Herzlicher Handlungsbedarf

Gerade bei den Herzensangelegenheiten lässt der Gehaltsreport Handlungsbedarf erkennen. So wünscht sich fast ein Drittel aller Kandidaten (31,7 Prozent), die einen neuen Job in der Logistik suchen, flexible Arbeitszeiten. Tatsächlich bieten bislang lediglich 23 Prozent der Arbeitgeber in der Logistik ihren Mitarbeitern diese Option. Noch weiter gehen Wunsch und Wirklichkeit beim Home Office auseinander: Während 17,8 Prozent der Jobsuchenden gerne die Möglichkeit hätten, zeitweise von zu Hause aus zu arbeiten, gewähren dies derzeit nur 6,3 Prozent der Unternehmen. Und obwohl der Firmenwagen bei 21,1 Prozent der Bewerber begehrt ist, wird er den Mitarbeitern nur in 12,9 Prozent der Fälle – abhängig von der Gehaltsklasse – angeboten: Erst für Positionen ab einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 EUR bringt der Großteil der Unternehmen diese Option ins Spiel.

Mitarbeiter-Events out

Auf viele vermeintliche Vorteile, mit denen Unternehmen um neue Mitarbeiter werben, springen folgende hingegen nicht an. Obwohl 21,7 Prozent der Firmen die freie Internetnutzung als Benefit herausstellen, interessieren sich nur 11,3 Prozent der Kandidaten für dieses Angebot. Eklatant ist das Desinteresse an Mitarbeiter-Events, die von 27 Prozent der Unternehmen angeboten werden: Nur 5,8 Prozent der Jobsuchenden träumen auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber von der kollektiven Sause.

Der Erhebungszeitraum für die Studie war das vierte Quartal 2017. Mit der Auswertung hat Birdiematch eine detaillierte Analyse von Berufsgruppen in der Logistik vorgenommen. Damit existiert erstmals eine rein auf die Logistik bezogene Auswertung der aktuellen Verdienst- und Arbeitsplatzsituation in der Branche. „Bislang wurden Logistiker immer in einen Topf mit anderen Dienstleistungsbranchen geworfen“, moniert Birdiematch-Geschäftsführer Josef Schindler. „Trennscharfe Aussagen zum Verdienst nach Position, noch dazu in bestimmten Berufsgruppen wie Disponenten oder Vertriebler, lagen bislang nicht vor.“

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